Verein

Eine kurze Geschichte der Kleingärten in Essen Frohnhausen

Die ersten Kleingärten gehen auf so gennnate Armengärten zurück, die Anfang des 19. Jarhunderts angelegt wurden, um Hunger und Verarmung der Bevölkerung entgegenzuwirken. Als eine der ersten Armengärtenanlagen im heutigen Deutschland gelten die parzellierten Gärten, die auf Anregung des Landgrafen Carl von Hessen um 1797/98 im damals noch dänischen Kappeln an der Schlei angelegt wurden [Wikipedia].

In den letzten Jahren des ersten Weltkrieges verarmten um 1916 weite Schichten der Bevölkerung Deutschlands. Überall entstanden sogenannte Grabeländer. Das waren Parzellen, die nur für einen Zweck gepachtet wurden: die jeweilige Familie mit einem zusätzlichen Nahrungsangebot aus einem eigenen Garten vor Krankheit und Hunger zu bewahren.

Der einstige Gemüseanbau aus der Not ….

Zwischen den heutigen Straßen Postreitweg, Rüdesheimer Straße, Frohnhauser Straße und Kieler Straße befanden sich neben einer Ziegelei, einem alten Kotten sowie der Gärtnerei Franz die Parzellen der glücklichen Pächter.

Denn die Entscheidung, ein Stück Land gepachtet zu haben, war damals eine glückliche gewesen. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges begannen ein weiteres Mal Not, Elend und Arbeitslosigkeit in Deutschland. Viele Menschen verhungerten in den Nachkriegsjahren. Demontage der Industrieanlagen durch und Zahlungen von Reparationen an die Siegerstaaten trugen ihren Teil zur Not der Bevölkerung bei. Welches Glück es bedeutete, zu dieser Zeit einen Garten sein eigen zu nennen, wird wohl nur der nach empfinden können, der ähnlich schwere Zeiten erlebt hat.

… fürhrte zur Gründung eines Vereins

Im zweiten Jahrzehnt des vergangenes Jahrhunderts beschlossen beherzte Männer die Gründung eines „Deutschen Kleingartenvereins Essen West“. Die Parzellen konnten täglich gekündigt werden. Obstbäume anzupflanzen oder gar einen Geräteschuppen zu bauen, war nicht gestattet. Aber als Verein konnte man hoffen, irgendwann den Status einer Kleingartenanlage zu erwerben, wo die Pflanzungen dann möglich sein würden.

Im Oktober 1919 war es dann soweit: die Eintragung ins Vereinsregister der Stadt Essen wurde vollzogen. Als Vorsitzender des neuen Vereins wurde Wilhelm Haurand, als Geschäftsführer Xaver Tiegelbeck eingetragen. Kassierer war Julius Pechstein und Protokollierer Gustav Blumendahl.

Stark sein nach außen und solidarisch untereinander – dies mögen die Triebfedern der Vereinsgründungen gewesen sein. Aus diesem Grund, der Stärke nach außen und der Solidarität der Vereine untereinander, wurde der neu gegründete Verein auch Mitglied im Kreisverband. Der Mitgliederstand betrug 1916 38 Pächter und Mitglieder.

Die Entwicklung von 1930 bis heute

Der Beitritt anderer, nicht organisierter Grabeländer, z.B.

  • am Bahnhof Essen West, wo sich heute die Eissporthalle bzw. die Gehörlosen-Schule befindet,
  • oder zwischen Frohnhauser Markt und Breslauer Straße (heute Wohnbebauung)
  • und an der ehemaligen Kruppstraße, der heutigen Paul-Goerens-Straße (heute ebenfalls Wohnbebauung)

ließ 1930 den Mitgliederbestand auf 420 Pächter und Mitglieder ansteigen.

1932 wurde die Böhmerstraße mit 28 Parzellen als Teilanlage in den Verein aufgenommen.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 erfolgte die so genannte Gleichschaltung. Der Verein musste sich fortan „Gartenbauverein Essen-West e.V.“ nennen. Bei Gartenvergaben spielten nun die politische Gesinnung und die Zahl der Kinder eine entscheidende Rolle.

1939 begann der Zweite Weltkrieg. Marlene Dietrich sang: „Wo sind nur die Männer hin, wo sind sie geblieben?“ Aus dem Krieg kamen viele unserer Gartenfreunde nicht wieder. Die Hauptlast an der „Heimatfront“ trugen die Frauen, auch in unserem Verein.

Eine Scheinwerferstellung zur Früherkennung feindlicher Flugzeuge befand sich direkt hinter dem Rialto-Kino (heute Penny-Markt). Die dazu gehörende Flakstellung befand sich an der Fulerumer Straße neben dem Ehrenfriedhof (heutiger Südwestfriedhof).

Unendlich viele Bombentrichter zerstörten Lauben und Kleintierställe, doch fleißige Hände schütteten sie wieder zu und Lauben und Ställe wurden wieder instandgesetzt. Oft mussten Saatgut oder Jungpflanzen zwei bis drei Mal hintereinander in die Erde gebracht werden. Zum Schutz gegen unrechtmäßiges Ernten der Früchte durch Fremde und der Kleintiere gegen Diebstahl, wurden Wachmannschaften aufgestellt.

1945 war das Ende des Krieges trotz Not, Elend und Chaos eine Erlösung. Jedes Stückchen Brachland wurde verpachtet und diente dem Überleben. Angebaut wurden überwiegend Kartoffeln, Weißkohl, Steckrüben und Tabak.

Bis 1949 stieg die Mitgliederzahl auf 2400 Pächter an.

1948 wurde das Tal, das sich zwischen Postreitweg und Königsberger Straße bzw. Brandenburger Straße befand, vom Rüdesheimer Platz/Elbinger Knie bis zu Hamburger Straße mit Trümmerschutt aufgefüllt und der Talboden dadurch um ca. 10 Meter angehoben.

1950 begann die Einebnung und Abdeckung dieses Trümmerschutts mit Lehm. Das Grünflächenamt trug danach Mutterboden auf. Die Durchgangswege wurden befestigt und das Gelände parzelliert. Längs der Wege wurden Hecken gepflanzt und der Standort der Lauben festgelegt. Wasserleitungen wurden gelegt.

1951 wurde die Anlage offiziell den Pächtern übergeben.

In der Hanglage wurden drei Wohnhäuser abgerissen. Auf dem freigewordenen Gelände entstanden weitere Gartenparzellen.

1976 erhielt die Anlage Anschluss an das Stromnetz.

Heute, 2006 , befinden sich 62 Parzellen auf der Teilanlage Postreitweg .

Namen von Gartenfreunden wie Preim, Postert, Fox, Stelter sind unvergesslich mit der Anlage verbunden. Als Obleute bleiben Clemens Stelter, Siegfried Sommer, Andreas Wagenknecht, Hermann Steinbach, Fritz Grey, Rolf Kohl und Wolfgang bei den Gartenfreunden der Teilanlage Postreitweg in guter Erinnerung. Heute tragen die Brüder Korbinian und Gerd Feulner die Last der Verantwortung für die Anlage.

Geschichte der anderen Teilanlagen

1956/57 wurde damit begonnen, die Teilanlage Frohnhausen/ Rüdesheimer Straße zu sanieren. Ziel war, eine richtige Kleingartenanlage zu schaffen, weg vom Grabeland und hin zur Dauerkleingartenanlage. Dies bedeutete die Kündigung aller Parzellen und Pächter mit der Zusage, dass die ehemaligen Pächter bei der Neuvergabe bevorzugt würden. Allen wurde eine kleine Abfindung gezahlt.

Die Parzellen wurden mit unterschiedlichen Laubentypen bestückt: der Typ „Doppellaube“ entstand im Außenbereich der Anlage, der Typ „Pergolenlaube“ im Innenbereich. Bei einer späteren Geländeerweiterung kam der Laubentyp „Essen am Hang“ als dritter und letzter Laubentyp hinzu. Eine Wasserleitung wurde verlegt. Zuerst mit Zapfstellen alle 50 m und Auffangbecken auf den Wegen. Später wurden die Leitungen nach und nach in die Parzellen verlegt.

Die Parzellen hatten eine Durchschnittsgröße von ca. 320 m². Bepflanzt wurden sie von der Stadt Essen mit einem Sauerkirschbaum, einem Pflaumenbaum, sieben Apfelbäumen, fünf Birnbäumen, 10 Stachelbeersträuchern und je fünf roten und schwarzen Johannisbeersträuchern. Die Wegebefestigung und die Pflanzung der Hecken beendeten die Sanierung der Teilanlage.

Das Zusammenleben in dieser, unserer größten Teilanlage gestaltete sich immer wieder schwierig. Das, was kleinere Anlagen auszeichnet, das Wir-Gefühl, Solidarität und Gemeinsamkeit wurde hier immer wieder vermisst.

Um so größer ist die Arbeit und Verantwortung der Obleute für diese Anlage zu bewerten. Die Gartenfreunde Losehand, Ziehlke, Henkel, Daus bleiben dabei vor allem in Erinnerung. Heinrich Schröder war eine Ausnahmeerscheinung. Edmund Jabs war der Rupper, Ernst Lehnhard der um Ausgleich bemühte. Und nicht zu vergessen Irmgard Pietrek, die erste Frau, die dieses Amt bekleidete und leider viel zu früh aufgab. Gerd Hümmeke und Christian Kotlorz waren zwei souveräne Obleute, die viel Zuspruch von den Gartenfreunden erhielten. Horst Winnenberg, Bernd Laszewski, Karl-Heinz Dziallas und Dieter Goeke sind nach kurzer Amtszeit ausgeschieden, ebenso Renate Mittmann.

Heute sind für die Teilanlage Miguel Florido, Mustafa Pars, Joachim Tück, und Karl-Heinz Reich verantwortlich.

1987 erfolgte der Verkauf der ehemaligen Pachtflächen der Erbengemeinschaft Hahne sowie die der VEBA an die gGmbH ( Essener Kleingartengrund und -boden gGmbH) . Jeder betroffene Pächter zahlte 4.250 DM ein.

1997/98 wurde die Ver- und Entsorgung mit Strom, Frischwasser- und Abwasserleitungen installiert. Die Investition pro Pächter lag bei 2.400 DM.

1999 wurden die Wege teilsaniert. Die Umlage pro Pächter belief sich auf 250 DM.

2005 wurde ein Gerätehauses für die Teilanlage gebaut, was pro Pächter 50 Euro ausmachte.

Die Teilanlage Breilsrand wurde im Laufe der 60er Jahre mit viel Einsatz der Pächter von einer Müllkippe in eine Gartenanlage umgebaut. Der Verein und die Stadt Essen begleiteten den Aufbau organisatorisch und finanziell. Die stadteigenen Lauben vom Typ „Essen am Hang“ wurden alle von den jeweiligen Pächtern erworben. Obleute, wie die Gartenfreunde Senkel, Steinhövel und Sweekhorst haben sich lange Jahre für die Gartengruppe eingesetzt und Spuren hinterlassen. Im Jahre 1988 „ging den Pächtern dann ein Licht auf“: sie wurden verstromt. Heute besteht die Anlage aus 12 Parzellen, da die Emschergenossenschaft für die Umbaumaßnahme „Borbecker Mühlenbach“ die Flächen der Parzellen BR 001 und 002 in Anspruch nehmen musste. Betreut wird die Anlage von unserem langjährigen Obmann Peter Syri. Die Teilanlage wurde zum Jahr 2016 aufgelöst.

Die Teilanlage Böhmerstraße wurde 1932 vom Mülheimer Bergwerksverein an den Kreisverband Essen verpachtet. Als geschlossene Anlage, so wie wir sie heute kennen, existiert sie erst seit Mitte der 60er Jahre. Grundstückseigner ist die Stadt Essen, sowie die Deutsche Bahn AG. Die Obleute haben meist auch bauliche Veränderungen in der Anlage in die Wege geleitet. So wurde unter dem Gartenfreund Preuser von 1964 – 1970 eine neue Wasserleitung verlegt. Gartenfreund Kobrink zeichnete von 1971 – 1984 für die Aufschüttung des Hauptweges mit roter Asche verantwortlich, sowie für die Installation von Wasseruhren für jede Parzelle. Auch wurde in seiner Wahlzeit der Vorplatz betoniert.

1985 wurde Gartenfreund Gerd Kalinna zum Obmann gewählt. Unter seiner Verantwortung wurde der Eingangsbereich neu gestaltet und mit Blumenbeeten, einem ansprechenden Schaukasten, Boxen für Japaner und handgeschnitztem Eingangsschild „Böhmerstraße“ versehen. Der Hauptweg nahm seine jetzige Form an. Als Nachfolger wurde Karl Kreb gewählt. Seine Amtszeit wurde geprägt vom Bau der Entsorgungsleitungen der Abwässer sowie deren Einleitung in den Borbecker Mühlenbach. Eine Mammutaufgabe. Heute betreut die Anlage Fachberater und Obmann Wilhelm Klein.

Die Teilanlage wurde zum Jahr 2016 aufgelöst.

Die Teilanlage Markuskirche an der Danziger Straße wurde auf Betreiben der Pächter aus dem Status einzelner Grabelandgärten durch Aufnahme in die General-pacht des Stadtverbandes und der Mitgliedschaft in unserem Verein praktisch eine Dauerkleingartenanlage. Der damals als Initiator der Aktion tätige Gartenfreund Reinhold Kirchhof wurde als Obmann gewählt. Die Versorgung der Anlage mit Strom und Wasser, sowie die Entsorgung des Abwassers waren die großen Aufgaben seiner Amtszeit, aber auch die Neugestaltung von Wegen sowie des Eingangsbereiches. 2010 gab er sein Amt aus Altersgründen auf. Neugewählt wurde als Obmann Dieter Jostes. Der Verkauf des Gartens des Herrn Tigges führte zu einigem Ärger mit dem neuen Eigentümer. Das Problem wurde vom Obmann gut angegangen und zur Zufriedenheit gelöst.

Mit 11 Parzellen ist es eine kleine Anlage, sozusagen mit familiärem Charakter.

Die Teilanlage Nöggerathstraße liegt zwischen Nöggerath- und Onckenstraße. Hier wurde auf Betreiben der Stadt Essen aus Grabeländern eine Dauerkleingartenanlage geschaffen. Durch die Mitgliedschaft in unserem Verein stehen die Pächter unter dem Schutz des Bundeskleingartengesetzes. Als Obmann nahm Gartenfreund Jürgen Kuziemski die Aufgaben, die mit diesem Amt verbunden sind, wahr. 2011 wurde Gartenfreund Udo Maruhn neuer Obmann. Große Aufgaben haben die Pächter noch vor sich. Einer neuen Wasserversorgung sollte sinnvoller weise eine Verstromung der Anlage folgen. Aber auch die Entsorgung des Abwassers muss in Angriff genommen werden. Gemeinsam etwas zu schaffen, das nachfolgenden Generationen von Gartenfreunden zu Gute kommt, bringt Befriedigung für die Erbauer, aber auch Vorteile für sie selber, wenn sie einmal den Garten aufgeben müssen. Zwei Parzellen (NÖ 001 und 002) wurden 2010 von der Stadt für den Bau eines Garagenhofes der Wohngenossenschaft Nord gekündigt. Dieses Bauvorhaben ist bis heute nicht realisiert worden.

Mit 11 Gärten ist es eine gut überschaubare Teilanlage.

Unsere jüngste Teilanlage Berliner Brücke wurde 2000 Dauerkleingartenanlage. Dies geschah durch Aufnahme der Pachtfläche in den Generalpachtvertrag sowie durch Mitgliedschaft der Pächter in unserem Verein. Dadurch profitieren auch sie vom Schutz des Bundeskleingartengesetzes. Von Beginn an übernahm Gartenfreund Robert Mühlbrandt die Aufgaben eines Obmanns in der Anlage. Als er 2011 verstarb wurde Przemyslaw Bryl zum Nachfolger gewählt und ist daher heute verantwortlich für die Teilanlage. Zurzeit gibt es große Probleme mit dem Abbruch der Wohnlaube der verstorbenen Frau Marianne Krause. Sie hat die Anlage mit Strom und Wasser versorgt. Es wird eine längere Durststrecke, im wahrsten Sinne der Wortes, zu durchschreiten sein, denn Abbruch und Neuanschluss lassen auf sich warten.
Mit ihren 8 Parzellen ist sie unsere kleinste Anlage.

Ein Novum in der heutigen Zeit : Gartenfreundin Marianne Krause unterhält als einzige Pächterin im Verein in dieser Teilanlage eine Wohnlaube.

Entwicklung der Migliederzahlen und Wartezeiten

Der Wiederaufbau von Industrie, Gewerbe und Wohnungen entriss den Kleingärtnern oft den lieb gewonnenen Garten. Umstrukturierung und das Entstehen neuer Vereine war neben der verbesserten Lebensqualität der Grund für das Abschmelzen der Mitgliederzahl. Der Garten diente zunehmend der Freizeitgestaltung und weniger dem Anbau notwendiger zusätzlicher Nahrungsmittel.

1976 sank die Mitgliederzahl auf 243 Pächter. Die Wartezeit für die Zuteilung eines Gartens betrug damals 4 bis 6 Jahre. Eine Warteliste mit mehr als 60 Anwärtern war keine Seltenheit. 1978 und 1981 wurde ein Aufnahmestopp für die Warteliste ausgesprochen. Heute liegen die Wartezeiten für einen Garten zwischen wenigen Monaten und einem Jahr.

Der Verein verwaltet zur Zeit 265 Parzellen, die Mitgliederzahl beträgt 265, dazu kommen 107 Fördermitglieder.

Ein Großbrand vernichtete im Frühjar 1954 unsere Vereinslaube. Damit wurden alle historischen Aufzeichnungen vernichtet, aber auch Auszeichnungen, Pokale, Ehrenwimpel sowie die Vereinsfahne von 1919.

Mit viel Mühe wurde über Archivmaterial die Geschichte aufgearbeitet.

Wir danken dem Stadtverband Essen, dem Stadtarchiv sowie dem Registergericht. Aber vor allem danken wir den vielen älteren ehemaligen und den noch aktiven Gartenfreunden, die in vielen Gesprächen zur Geschichte des Vereins „KGV Essen West E.V.“ beitrugen.